In Zeiten, da die klassischen Musikstrukturen immer stärker aufbrechen, greifen die Rockmusiker im Studio schon mal zu Instrumenten, die bisher überhaupt nicht in der harten Musik eingesetzt wurden. Gefragt sind Sounds, die originell und einzigartig klingen. Wir erwischten Deutschlands-Lehrbuchautor Nr. 1, PETER FISCHER, als er gerade in seinem Studio mit der RCE 300 aus dem Hause RAFAEL ORTEGA arbeitete. Hier sein Bericht:
"Rafael Ortega ist ein spanischer Gitarrenhersteller aus Valencia, der seine Instrumente ausschließlich in Handarbeit fertigt. Das Modell RCE 300 beinhaltet etwas, das ich bei einer spanischen Gitarre nie vermutet hätte. Das Instrument besitzt neben einem Cutaway einen bordeigenen Tonabnehmer mit Vorverstärker und Vierfach Equalizer. Damit läßt sich die Gitarre live oder im Studio gut für jede Situation einsetzen. Die Zargen und der zweiteilige Boden bestehen aus Mahagoni, für die Decke hat Ortega massive Fichte verwendet. In das Palisandergriffbrett wurden recht schmale Bünde sauber eingesetzt und abgerichtet. Intonation und Bundreinheit sind perfekt, die RCE 300 ist gut stimmbar, die Quintreinheit ist voll gegeben. Für mich als E-Gitarrenspieler ist natürlich das Cutaway besonders schön, hierdurch eröffnet sich dir der Bereich bis rauf zum 17. Bund. Gleichzeitig ist der Übergang vom Hals zum Korpus gut und körpergerecht geschnitten, so daß du wirklich in die höchste Lage spielen kannst. Der Mahagonihals ist sehr breit, du hältst viel Holz in der Hand. Wer kleine Finger hat, könnte hier Schwierigkeiten bekommen. Außerdem dürfte der Hals etwas stärker nach innen abgerundet sein. Die Saitenlage ist für einen klassischen Nylongitarristen gut, einem E-Gitarristen wird sie mit Sicherheit sehr hoch vorkommen - aber das ist Geschmackssache. Die RCE 300 besitzt keine offensichtlichen Mängel. Extrem praktisch ist der Batteriewechsel. Ein 9 Volt-Block wird einfach von oben eingesetzt und paßt. Für den schnellen Wechsel auf der Bühne ist dies ideal. Herkömmliche Steckverbindungen mit Kabeln brechen an dieser Stelle häufig. Überhaupt ist die Verarbeitung bis ins kleinste Detail gut ausgeführt worden.
Der Sound:
Die RCE 300 besitzt einen schönen, warmen Sound. Mir persönlich fehlen zwar etwas die Höhen, aber da ich von Hause aus Nylongitarrist bin, ist dies Geschmackssache. Vielleicht könnte ihr Sound etwas brillanter perlen, so klingt sie sanft und schön warm. Das Übertragungsverhalten des Tonabnehmersystems ist sehr gut. Allerdings ist bei dem Vierfach-EQ, hier sei besonders der Baß-Schieberegler erwähnt, Vorsicht geboten. Ich finde, daß die Arbeitspunkte der Klangregelung besser gewählt sein müßten. Mir persönlich sind die Regler zu leichtgängig, im Eifer des Spielens ist ruckzuck alles verstellt. Außerdem sehen die Schiebepotis nicht sehr haltbar aus. Der EQ besitzt die vier Regelbereiche Bässe, parametrische Mitten, Höhen und Lautstärke. Im Gegensatz zum Volumenregler, der recht sauber arbeitet, wummert der Baßregler unten herum etwas. Außerdem sprechen die Potis erst im letzten oberen Drittel an - aber dann kommt ein richtiger Boost. Der Bereich der parametrischen Mitten müßte von 1-2 kHz auf 600 Hz bis 2,5 kHz erweitert werden. Um eine Gitarre offen klingen zu lassen, sind die Frequenzen um die 2,5 kHz extrem wichtig. Der Grundklang des Tonabnehmersystems ist gut - allerdings kommt mir persönlich in der Übertragung die hohe E-Saite etwas zu laut vor.
Fazit:
Der Grundgedanke der Ortega geht in die richtige Richtung: weg von klassischen Form und hin zu ein Cutaway, mit Tonabnehmer und Klangregelung, Was in diesem Instrument, bei den Hölzern besticht, fehlt ihr jedoch bei der Elektronik, dies ließe leicht ändern. Ein Riesennachteil: gibt Oberhaupt keine Griffbrettmarkierungen. Da mußt du dich schon gut blind auskennen. Ich bin ein Detailfuchs, der extrem auf Kleinigkeiten achtet."
Peter Fischer
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