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Vorwort Hallo und herzlich willkommen zu Survival Guitar. Survival Guitar - Überlebensgitarre? Was soll denn das schon wieder bedeuten? Die musikalische Landschaft auf unserem Musikplaneten hat sich in den letzten Jahren insofern sehr stark verändert, als daß sich heutzutage die unterschiedliche Stilistiken mischen und sich sehr viele unterschiedliche ethnische Einflüsse in Rock, Pop und Jazz finden lassen. Das fordert den Musiker stärker - er muß eine größere Bandbreite parat haben. Dies gilt besonders für Gitarristen, da die Gitarre einerseits in zahlreichen Stilistiken eingesetzt wird und andererseits im Zeitalter von Midi, Loops und Sampling eines der wenigen Instrumente ist, welches noch häufig "in echt" gespielt wird. Parallel dazu habe ich bei zahlreichen Workshops die Erfahrung gemacht, daß sogenannte oder selbsternannte "Rockgitarristen" - inklusive meiner Wenigkeit - sich eigentlich auch mal für ein paar tolle Country- oder Jazzlicks interessieren und umgekehrt. Gründe genug finde ich, mal einen stilistischen Rundumschlag in die (Bücher-)Welt zu setzen. Im Gegensatz zu meinen anderen Büchern, die alle eher so angelegt sind, daß sie eine bestimmte Stilistik sehr in die Tiefe gehend behandeln, ist Survival Guitar so konzipiert, daß viele unterschiedliche Stilistiken kurz, aber intensiv behandelt werden. Die Kapitel dieses Buches sollen also auf wenigen Seiten den Einstieg in die verschiedensten, für die Gitarre wichtigen Stilistiken erleichtern und die wichtigsten Merkmale sowie die gröbsten Klischees für authentisch klingendes Spiel vermitteln. Dabei wird schnell klar, in welchen Musikstilen die Gitarre eher dominiert oder eine eher untergeordnete Rolle spielt (gibt's das wirklich?), welche Rolle und Funktion sie im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten jeweils hat. Außerdem soll dieses Buch musikalischen Grenzgängern den Einstieg in eine andere Stilart erleichtern. Sei es nur darum, seinen eigenen Horizont etwas zu erweitern oder aber auch in der alltäglichen Praxis des professionellen oder semi-professionellen Gitarristen wie Tanz- und Unterhaltungsmusiker oder Leute, die kurzfristig angesprochen werden, eine ihnen fremde Stilart einigermaßen überzeugend zu spielen. Quasi nach dem Motto, "was muß Bebop Jones bei seiner Aushilfe bei den Breckerfelder Kuhjungens - einer berüchtigten Country- und Westernband - spielen, um nicht sich und seine Kollegen der IG Jazz zu blamieren". Zu jeder Stilart wirst du also die wichtigsten lntros, Outros, Sounds, stiltypischen Effekte, Rhythmuspattern, Licks, Voicings, Interpreten, Harmonik, Instrumente etc. finden. Dabei habe ich versucht, sowohl auf die klassischen Klischees wie auch auf neue und hippe Licks der jeweiligen Stilistik einzugehen. Darüber hinaus werde ich sehr grundsätzliche und lebenswichtige Themen wie Equipment, Grundlagen der Musiktheorie, Interpretation von geschriebener und umgeschriebener Musik etc. aufgreifen. Halt alles, was in einen gitarristischen Erste-Hilfe-Kasten so gehört. Wie all meine Bücher ist auch Survival Guitar wieder im Modulsystem geschrieben. Das bedeutet, daß du dich je nach Interesse oder gitarristischer Notsituation mit den verschiedenen Stilarten befassen kannst, ohne eine vorgeschriebene Reihenfolge einhalten oder die vorhergegangenen Kapitel bearbeitet haben zu müssen. Die Reihenfolge der Kapitel ist teilweise jedoch so angelegt, wie sich die Stilarten zeitlich nacheinander entwickelt haben. Eine interessante Entdeckung beim Schreiben dieses Buches war übrigens auch, wo die eigentlichen Herausforderungen und Schwierigkeiten in jeder Stilart liegen. Während es ja relativ bekannt ist, wie wichtig Ausdruck und Phrasierung beim Blues sind, daß man es im Jazz mit vielen theoretischen Konzepten zu tun bekommt, im Funk es auf die rhythmische "tightness" ankommt, wie prägend Sounds in der Popmusik sind, wird es wahrscheinlich viele wundern, wie technisch anspruchsvoll doch z. B. einige Country-Spieltechniken sind, will man sie authentisch klingenlassen. Diese Tatsache macht Survival Guitar zum idealen (Selbst-) Unterrichtswerk für alle, die eine fundierte "gitarristische Allgemeinbildung" oder einfach nur jede Menge Anregungen für alle Bereiche des Gitarrespielens suchen. Natürlich ist es unmöglich, auf jeweils ungefähr 250 Seiten eine Stilart komplett in allen Facetten darzustellen, aber die breite Streuung der Themen bringt einen großen Überblick über das, was in der Musik und auf der Gitarre alles möglich ist. Und wie gesagt - die richtige Mischung der verschiedenen Zutaten macht's erst richtig aus. Wie immer steht dann einem tieferen Einstieg in eine neue Stilart nichts außer der eigenen Faulheit im Wege. Um den größtmöglichen Fortschritt mit diesem Buch zu erlangen, solltest du eng mit dem Buch und den CDs arbeiten. Geschriebene Musik ist leider oft nur die halbe Wahrheit. Ganz wichtig ist deshalb im Zusammenhang mit einer möglichst authentischen Imitation oder dem stilechten Interpretieren eines Musikstils auch das intensive Hören von Aufnahmen herausragender Interpreten des Fachs. Ein guter Einstieg sind da die Hörtips am Ende eines jeden Kapitels. Apropos CD: Ein Blick auf die Lauflisten der beiden CDs zeigt, was für eine Masse an Beispielen auf ihnen zu hören ist. Rein aus Platzgründen sind daher alle Beispiele nur einmal aufgenommen. Bei jedem Beispiel habe ich versucht, tempomäßig den Kompromiß aus "so soll es am Ende mal klingen!" und "wie war das noch gleich?" zu treffen! Ach ja und noch was: Um das Buch nicht aus allen Nähten platzen zu lassen, habe ich einen mir sehr wichtigen Teil ausgegliedert: Jamtracks und Beispielsongs zum Nachspielen in allen Stilistiken. Du findest sie zusammen mit Lead Sheets sowie der Notation der wichtigsten Parts auf meiner neuen Jamtrack-CD: Jamtracks Vol. 4: SURVIVAL TRACKS. Nun aber viel Spaß mit Survival Guitar! Stay tuned - Peter Fischer Hagen, den 16.11.1998 |
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