|
Survival Guitar
Folge 1 "Die Sache mit dem ekelig grünen Showhemd" -Workshopserie des Soundcheck-Magazins-
|
|
|
Hallo und Herzlich Willkommen bei Survival Guitar, meiner neuen Workshopserie für das SOUNDCHECK Magazin. Die Idee zu dieser Serie kam mir während der letzten POPKOMM. Als ich mir all die ratsuchenden Pilger ansah, die von Plattenfirma zu Verlagsstand zu Plattenfirma zogen, um dort zumindestens für einen Moment lang erhört zu werden und vielleicht dann ihrem Traum einer Profikarriere ein wenig näher zu kommen .... da wurde mir schlagartig (wieder) klar, daß das wirkliche Leben eines Menschen, der von der Musik leben will (oder muß) sich eigentlich doch ziemlich von dem Zustand unterscheidet, wie man ihn in den Medien oder solchen Veranstaltungen wie der o.g. vorgegaukelt bekommt. Dazu passen Fragen, die auf so gut wie jedem meiner Workshops auftauchen: "Wie stelle ich es an von der Musik leben zu können? Wie gut muß ich sein? Was muß man eigentlich (als Profigitarrist ) alles können? Magst Du wirklich Pizza Proscutto mit Knoblauch und Krabben? Ist es schwer von der Musik leben zu können? Muß man wirklich alles vom Blatt lesen können, wenn man mal einen Studiojob machen will?" usw., usf. In den kommenden Folgen von Survival Guitar, werde ich versuchen Antworten auf diese Fragen zu finden und die sich daraus ergebenen musikalischen "Problemchen" zu lindern. Dazu wird es immer thematische Schwerpunkte geben und und einige kleine Musikbeispiele zum Üben. Aber nun zur Sache: Welche Bereiche gibt es - außer der MTV/Viva Megakarriere - in denen man als Gitarrist tätig sein kann, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Mir fallen da folgende Einsatzgebiete und (somit Einnahmequellen) aus eigener Erfahrung ein: - als Gitarrist (und Songschreiber) in einer Rock-, Pop-, Blues-, Jazz-, Funk-, oder was-weiß-ich-sonst-noch-Band, die live spielt und dafür auch Geld kassiert (der Wunschtraum vieler Gitarristen) - als Gitarrist in einer Tanz-, Cover-, Gala-, oder sonstigen Unterhaltungsband die live spielt und dafür ausschließlich Geld kassiert (der Alptraum vieler "ehrenhafter" Gitarristen) - als "angemieteter" Gitarrist in einer Tourneeband oder für sog. Showcase-Gigs - als Statist bzw. lebendige Bühnendekoration für Gesangsinterpreten bei Musiksendungen im Fernsehen - als (angestellter oder angemieteter) Gitarrist in einem (meist städtischen) Theaterbetrieb oder einer privaten Musicalproduktion - als Gitarrenlehrer in einer privaten oder städtischen Musikschule oder Volkshochschule (die Realität vieler Gitarristen) - als Schreiberling und Autor für diverse Publikationen wie Musikzeitschriften, Internetverlage oder Buchverlage - als Studiomusiker für alles vom kleinsten Radio-Jingle Über Demos bis hin zu CD-Produktionen verschiedenster Größenordnung - von Eigenvertrieb bis Major-Produktion (noch ein Wunschtraum) - als Berater oder Entwickler für Hersteller von Musikinstrumenten und dem dazugehörigen Zubehör - als Vorführer von Musikinstrumenten und Zubehör auf Messen und Ähnlichen Events - als Komponist seiner eigenen Musik und die Unterbringung dieser auf CD (von Eigenproduktion über Indie- bis zum Majordeal) oder beim Film Fehlt noch was? Wie man sehen kann gibt es einige Bereiche, in denen man als Gitarrist (und natürlich auch als Gitarristin) tätig sein kann, die erstmal gar nicht so vordergründig bewußt sind, aber neben der Geldeinnahme auch noch aus rein gitarristischer Sicht sehr verlockend und interessant sein können. Nun gibt es sicherlich einige Bereiche bei denen es sich bei vielen Musikern im Bauchbereich extrem zusammenkrampft. Ich denke jedoch, wenn jemand wirklich die Ambitionen hat Profigitarrist sein zu wollen (d.h. für mich nicht ein Star zu sein, sondern schlicht und nüchtern Gitarre zu spielen, um davon leben zu können), muß man auch einfach die nötige professionelle Haltung an den Tag legen, um sich auf die unterschiedlichen Anforderungen der o.g. Bereiche einzustellen. Und ja, auch ich habe schon mit einem eklig grünen, glänzenden Show-Hemd auf der Bühne gestanden und "Anneliese" gespielt!!! Auf alle o.g. Bereiche werde ich im Verlauf der Serie eingehen. Als Abschluß dieser Folge gibt es noch eine kleine Equipmentliste. Meiner Meinung nach sollte jeder Gitarrist eine gewisse Grundausstattung an Equipment, Ersatzteilen und Zubehör besitzen. Ich meine damit nicht ein halbes Dutzend utopisch teurer Gitarren oder eine Rackanlage, die soviel kostet wie ein Mittelklasseauto. Ich meine vielmehr Kleinzeug und Verschleißteile. Denn wie so oft im echten Leben ist es nicht die Frage, ob jemals etwas kaputt geht, sondern wann! Jeder Gitarrist sollte daher auf jeden Fall folgende Dinge besitzen: - ein gutes Stimmgerät UND eine Stimmgabel - stabile Kabel (Gitarren-, Lautsprecher-, Stromkabel, Mehrfachsteckdosen) - Werkzeug wie Saitenschneider, Zange und Schraubendreher - Gitarrenpflegemittel - einen guten Gehörschutz - reichlich Reservesaiten für alle Gitarren und Verstärkersicherungen - stabil stehende Gitarrenständer - Ersatzbatterien für Effekte, Stimmgerät etc - reichlich Plektren - ein Volumepedal - ein Wha Wha - Gaffa-Tape - alle benötigten Inbusschlüssel in doppelter Ausführung - einen Taschenrechner zum Ausrechnen von Delayzeiten Auch wenn mich alle Musikgeschäfte dafür hassen werden: ich finde jeder Gitarrist sollte auch wissen, wie er die Saitenlage, Bundreinheit und Halskrümmung seiner Gitarre justieren kann. Oft genügen schon kleine Luftfeuchtigkeitsschwankungen und die Halsstabeinstellung ist hinüber, was schon so manchen Gig verdorben hat. Ein anderes Beispiel wäre die sich immer wieder verstimmende Gitarre, nur weil die Saiten schlecht aufgezogen wurden. Diese Kleinigkeiten hier im Detail zu erklären würde den Rahmen dieser Kolumne jedoch bei weitem sprengen, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und läßt sich daher entsprechend schwer an dieser Stelle schriftlich erörtern. Sich diese Fertigkeiten anzueignen ist allerdings relativ einfach, erfordert nur relativ wenig handwerkliches Geschick und läßt sich mit etwas Neugier sehr schnell erlernen. DO IT! So das war´s für diesen Monat. Für Anregungen, Kritik, Themenvorschläge oder andere Kommentare bin ich immer gerne zu haben: kontakt@donpedrofischer.de Stay tuned bis demnächst! |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|