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Survival Guitar
Folge 2 "Der Angriff der kleinen weiblichen Monster..." -Workshopserie des Soundcheck-Magazins-
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Hallo liebe Lebenskünstler! Nachdem es in der letzten Folge um die Auflistung der unterschiedlichsten Tätigkeitsbereiche ging, in denen man sich als GitarristIn das tägliche Brot zusammensuchen kann - oder zumindest das dafür nötige Klein- und Großgeld - möchte ich mich in dieser und den nächsten Folgen einem Thema widmen, das für viele Musiker (leider) oft nur ein für den Broterwerb notwendiges Übel darstellt: das Unterrichten. In meiner über 15jährigen "Karriere" als Gitarrenlehrer, habe ich schon ziemliche jede Unterrichtssituation durchleben dürfen, in die man geraten kann. Von der Dreiergruppe mit drei siebenjährigen kleinen weiblichen Monstern (eine Art, wöchentlich einen Alptraum zu erleben), über Volkshochschulkurse mit unheimlich engagierten Sozialarbeiterinnen, die eigentlich den Kurs "Angstfrei Häkeln" belegen wollten (eine andere Art wöchentlichen Alptraums) bis hin zu Seminaren am GIT in Los Angeles, sowie alle möglichen Zwischenformen, ist mir, so denke ich zumindest, nichts vorenthalten geblieben. Bevor ich nun zu meinem Plädoyer für das Unterrichten komme eins vorweg: wer menschenscheu ist, sein Wissen lieber für sich behalten will oder etwas gegen bezahltes Üben hat, der sollte sich tunlichst nach einem anderen Bereich umsehen, da er/sie mit dieser Tätigkeit sicherlich nicht glücklich werden wird. Für alle anderen bietet das Unterrichten eine Unmenge an Vorzügen: - man lernt die unterschiedlichsten Typen kennen, auf deren Probleme, Charaktere und Macken man sich zwangsläufig einstellen muß. - ist man mutig und offen genug, lernt man die gesamte Palette musikalischer (und privater) Stile und Bedürfnisse der menschlichen Spezies kennen (kaum zu glauben, wie manche Leute drauf sind oder gerne lernen möchten). - durch das permanente Erklären musikalischer (und zwischenmenschlicher) Sachverhalte festigt sich das eigene Wissen enorm und um persönliche Langeweile zu vermeiden, kann man immer wieder nach neuen Sichtweisen und den damit verbundenen Erklärungsmöglichkeiten für altbekannte musikalische Probleme suchen. - gibt es etwas entspannenderes als zu rhythmusgitarrespielenden, halbwegs groovenden Gitarrenschülern in aller Seelenruhe selbst die neusten Licks und Lines oder mal ein Zweitinstrument wie Bass oder Drums zu üben ? ( Getreu dem Motto:"Rhythmusgitarre spielen ist doch wirklich das A und O, Jungs!!") - Musik reinigt die Seele - ist unsere Welt nicht schon dekadent genug und reif für etwas ... Schönheit? - sehr gute und talentierte Schüler, oder solche, die ausnahmsweise immer genau das üben, was man ihnen aufgibt, halten einen selbst auf Trab, da man sich ja nun mal nicht gerne blamiert. Ich persönlich habe - ganz subjektiv betrachtet - die größten Fortschritte als Player gemacht, nachdem ich begonnen hatte Workshops zu halten. Ich glaube es gibt keinen fordernenden Gig, als vor einer Meute hungriger Gitarristen zu spielen, die an jeder Note kleben, die man spielt. - sehr schlechte oder gar untalentierte Schüler erfordern wiederum ganz andere Qualitäten. Hier gilt es - was, wenn ich es mir richtig überlege eigentlich auch für gute Schüler zutrifft - sie trotz aller Probleme motiviert zu halten und ihnen permanent zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen, auch wenn dies manchmal schwer ist. - wer viele Schüler hat, hat normalerweise auch immer ein gewisses Stammpublikum bei Live-Gigs (was ja heutzutage, in Zeiten einer gewissen Konzertmüdigkeit auch nicht uninteressant ist) bzw. Kunden für eigene CDs oder ausrangierfähiges Equipment. - anhand der Fehler der Schüler, kultiviert man analytisches Hören und lernt anderen Leuten beim Musikmachen konzentriert zuzuhören. Nun wirft sich sicherlich die Frage auf, wie gut man denn eigentlich selbst sein sollte, bevor man anfängt Unterricht zu geben. Ich selbst habe angefangen zu unterrichten als ich ungefähr 15 Jahre alt war. Die allermeisten meiner Schüler waren erkennbar älter als ich und im Grunde genommen gleich fortgeschritten, manchmal sogar besser auf der Gitarre als ich selbst. Manchmal war ich einigen Schülern nur ein oder zwei Stunden im Stoff voraus. Da es zu Anfang der 80er Jahre so gut wie keine brauchbare Unterrichtsliteratur geschweige den Songtranskriptionen für E-Gitarre gab, war ich gezwungen sehr viel von Platten rauszuhören bzw. auf die neuste Ausgabe des GUITAR PLAYER zu warten, um wieder neues Futter für die Meute zu haben, wovon ich übrigens noch heute profitiere. Aus dieser Situation habe ich außerdem noch eine Reihe weiterer Schlüsse ziehen können: - man kann eigentlich von jedem etwas lernen, egal wie gut man selbst zu sein meint oder wie schlecht der Andere zu sein scheint - man lernt zu improvisieren und ständig in Bewegung zu bleiben - ein guter Lehrer muß nicht derjenige sein, der alles auf Zuruf spielen kann, sondern ist derjenige, der die individuellen Schwächen seines Schülers genau erkennen und diese gezielt beseitigen kann. - es ist extrem gut für die eigene Glaubwürdigkeit, wenn man eigene Schwächen zugeben kann - es gibt ja noch sooooo viel was man selbst üben könnte oder müßte...... Das habe ich mir übrigens auch so beim Schreiben dieser Kolumne gedacht, als ich dabei die erste Solo-CD des momentan in Nashville angesagtesten Studiogitarristen Brent Mason "Hot Wired" gehört habe. Daß dieser Gitarrist in Deutschland so gut wie unbekannt sein dürfte ist zwar schon sowieso ein Drama, aber ich habe ehrlich gesagt noch nie gehört, daß man auf einer Pedal-Steel Gitarre so dermaßen höllisch Bebop spielen kann, wie dies Paul Franklin auf zwei Titeln tut. ABSOLUT ABGEFAHREN und für jeden, der genauso entsetzt und enttäuscht von der neuen Van Halen Scheibe ist wie ich ein wirklich guter Tip! Stay tuned bis zum nächsten Monat, schickt mir wieder per e-mail ein paar Feedbacks und Wünsche und seid nett zu euren Müttern!! |
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