Survival Guitar
Folge 4
"Futter für die Meute"
-
Workshopserie des Soundcheck-Magazins-

Liebe Gitarreros und liebe Gitarreusen,

herzlich Willkommen zu einer weiteren Folge meiner kleinen Überlebenshilfe.

OK, ihr habt euch also entschlossen der Versuchung zu erliegen und die Welt zu verbessern, habt eure Werbung bestens in Musikgeschäften, Fachzeitschriften, Anzeigenblättern, Internet oder wo man sonst noch wissenshungrige Opfer findet plaziert, ihr wißt wie hoch euer Preis ist und ....... SCHOCK: die Telefone stehen nicht mehr still !! Na meinen Glückwunsch - ABER mit was stillt man denn nun den Wissensdurst der willigen Patienten ?

Darauf läßt sich natürlich mal wieder keine einsilbige 08/15 Antwort finden! Jeder Schüer kommt ja mit etwas unterschiedlichem Vorwissen an und bittet um Linderung. Außerdem spielen Alter (SEHR entscheident !), Talent und Fleiß des Schülers natürlich auch eine erhebliche Rolle, wenn es darum geht, was in einem Jahr zu schaffen ist und wie der Unterricht gestaltet wird. Daher will ich an dieser Stelle etwas Abstand nehmen von einer Einteilung der Lerninhalte in Jahre zugunsten von Phasen. Wie lange der Schüler braucht um die Inhalte einer Phase zu bewältigen, hängt wie gesagt stark von den schon genannten, individuellen Faktoren ab.

Darüber hinaus empfiehlt es sich die folgenden Inhalte und Themen immer im Zusammenhang und anhand von aktuellen oder sehr bekannten Songs aufzubereiten und wenn möglich, sehr früh das Zusammenspiel mit anderen Schülern und/oder anderen Musiker zu fördern (z.B. indem Schülerbands gegründet werden). Außerdem finde ich es wichtig, diese Songs auch stilistisch gesehen etwas zu streuen.

Die folgende - natürlich sehr subjektive - Auflistung ist zwar leicht E-Gitarrenorientiert, läßt sich aber auch in etwas veränderter Form auf die akustische Gitarre anwenden und FUNKTIONIERT. Obwohl nicht so vordergründig erkennbar, sind diese Phasen zeitlich gesehen etwa gleich lang. Und ja, die erste Zeit steht das Thema Rhythmusgitarre (zumindestens bei mir) sehr stark im Vordergrund. Dies liegt daran, daß ich der Meinung bin, daß unglücklicherweise die von den meisten Leuten aufgewendete Übungszeit zum Thema Sologitarre in keinem Verhältnis zu der tatsächlich "solierten" Zeit steht. Will sagen 95% der Übungszeit wird dem Thema Sologitarre gewidmet, obwohl JEDER Gitarrist 95% der eigentlichen Spielzeit Rhythmusgitarre spielen wird.

Phase 1:

- Motorische Grundlagen wie günstige Körperhaltung und richtige Handhaltung für rechts und links
- Zupfen mit den Fingern der Anschlagshand, Spielen mit dem Plektron, Einführung in die Wechselschlagtechnik
- Greifen und Spielen von Einzelnoten entlang der Saite und in der Lage
- Spielen von Akkordfolgen mit leichten offenen Akkorde bzw. Powerchords und Intervalle
- Grundzüge der Noten- und Tabulaturschrift, Akkorddiagramme, die Töne der C-Dur Tonleiter in der ersten und zweiten Lage, die Stimmung und das Stimmen der Gitarre
- Viertelrhythmen

Phase 2:

- Akkordgrundformen und unterschiedliche Akkordtypen, Akkordfolgen in verschiedenen Tonarten und die damit verbundenen Versetzungs- und Vorzeichen,
- einstimmiges Melodiespiel in der ersten Lage
- die 12-taktige Bluesform in verschiedenen Tonarten
- der Shuffle Groove
- weiterführende Kenntnisse verschiedener Notationsmöglichkeiten
- Slide- und Mutingtechnik
- Achtelrhythmen und Achteltriolen

Phase 3:

- Barré-Akkorde
- Transponieren von Akkordfolgen in andere Tonarten
- zweistimmiges Melodiespiel in Terzen und Sexten entlang der Saite
- Dreiklangsumkehrungen
- Stufendreiklänge
- Funktionsbezeichnungen für Akkorde und Analyse einfacher Akkordfolgen
- Bindetechniken wie Slide, Hammer-on und Pull-off
- punktierte Rhythmen und leichte Synkopen
- die 12-taktige Bluesform in verschiedenen Tonarten
- allgemeine musikalische Bezeichnungen


Phase 4:

- Septimenakkorde und ihre Anwendung in unterschiedlichen Stilistiken
- Stufenvierklänge
- Systhematische Einführung in das Thema Gehörbildung z.B. Erkennen von diatonischen und chromatischen Intervallen (melodisch und harmonisch)
- die C-Dur Tonleiter in den fünf Hauptlagen und damit verbunden das Melodiespiel in diesen Lagen
- synkopierte Rhythmen

Phase 5:

- Akkordtypen wie Nonenakkorde, Sus-Akkorde, Sext-Akkorde, Slash Chords
- Sechzehntelrhythmen
- Gehörbildung: Erkennen von Akkordqualitäten und leichten Akkordfolgen
- Melodiespiel in den fünf Hauptlagen in unterschiedlichen Tonarten

Phase 6:

- das sofortige Finden aller Töne auf dem Griffbrett (Note Location)
- Einstieg in das Thema Improvisation mittels der Pentatonik- und Bluestonleiter über unterschiedliche Akkordfolgen in verschiedenen Tonarten und Stilistiken
- Verbesserung der Wechselschlagtechnik durch Technikübungen wie Skalensequenzen
- Grundlegende Spieltechniken der Sologitarre wie Saitenziehen und Vibrato
- Aufbau eines Repertoires an elementaren, pentatonischen Rock- und Bluesphrasen

Phase 7:

- Improvisation nach dem Keycenter (Stammtonart)Ansatz mit den fünf Positionen der Durtonleiter in verschiedenen Tonarten und Stilistiken
- Ausbau des Repertoires an stiltypischen Phrasen und Licks
- Hinzunahme von speziellen Spieltechniken wie Tapping, Economy Picking und Legato

Die o.g. Phasen erstrecken sich je nach den individuellen Voraussetzungen des Schülers über einen Zeitraum von ungefähr fünf Jahren. Die Liste ließe sich noch erkennbar verlängern, was aber nicht Sinn und Zweck dieser Kolumne ist. An verwendbaren Unterrichtsmaterialien wie Gitarrenlehrbücher, Songbooks und Transkriptionen bekannter Künstler, mit denen man diese Themen transportieren könnte, gibt es mittlerweile ja auch eine ganze Menge sehr gutes Zeug (ich spreche da aus eigener Betroffenheit), womit einer einigermaßen bequemen finanziellen Grundversorgung durch Unterrichten ja nicht mehr viel im Wege stehen dürfte.

Ich persönlich habe mit einer Sache übrigens sehr gute Ergebnisse erzielt: besonders noch nicht so weit fortgeschrittenen Schülern habe ich oft eine ganz detaillierte Übungsanweisung für die Zeit bis zum nächsten Termin gegeben. So richtig aufgesplittet, was jeden Tag, in welcher Reihenfolge, wie lange geübt werden soll.
Wie so etwas aussehen könnte, kann man sich übrigens auch in meinem Buch ROCK GUITAR BASICS ansehen.

Ab der nächsten Folge geht es wie schon angedroht um Unterhaltungsmusik in ihrer reichhaltigen Vielfalt. Also kramt schon mal eure grünen Showhemden hervor !

Wie gehabt der DonPedro-Kontakt per eMail: kontakt@donpedrofischer.de

So, das war´s für diesen Monat, Stay Tuned und schwimmt nicht so weit raus !

[nach oben]

Folge 1
Folge 2
Folge 3
Folge 4
Folge 5
Folge 6
Folge 7
Folge 8
Folge 9
Folge 10


kontakt@donpedrofischer.de
© 2001