Survival Guitar
Folge 6
"Da da daaa - da daa da daaaa - da da daaa - da daaaaa"
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Workshopserie des Soundcheck-Magazins-


Hallo liebe Klangholzaktivisten,

eins vorweg: das eklig grüne Show-Hemd bleibt diesmal unter Verschluß!

War die in der letzten Folge angesprochene gemeine Tanzmusik das vielleicht letzte übriggebliebene Tabu für ernsthafte Rockgitarristen, sind Coverbands für viele Musiker ein denkbarer und lukrativer Einstieg in die Unterhaltungsmusik.

Im Gegensatz zu den meisten in der letzten Folge beschriebenen Tanzmusikbands, bei denen man oft ein sehr ähnliches Repertoire findet, gibt es bei Coverbands doch viele unterschiedliche Varianten. So gibt es Bands, die strikt eine spezielle Stilistik spielen (z.B. Soul, Country oder Rock bzw ausschließlich Police, Kiss oder Toto Songs), Bands, die sich einer bestimmten Ära widmen (z.B. nur Musik der 70er Discowelle oder ausschließlich brandaktuelle Top 40 Songs) aber auch solche, die einfach quer Beet Hits und Renner der letzten Jahrzehnte zum besten geben. Weitere Varianten wären möglichst hohe Originaltreue oder individuelle Coverversionen der gespielten Titel. Ich persönlich finde die beiden zuletzt genannten Möglichkeiten übrigens gleich interessant. Manche Stücke müssen einfach Note-für-Note so gespielt werden wie im Original, weil sonst einfach nicht der Punkt rüberkommt. Dabei kann man sehr viel über Arrangement und Komposition lernen und schafft sich ganz nebenbei auch noch garantiert funktionierendes musikalisches Vokabular drauf. Ein Aspekt, der dann auch wieder dem Unterrichten sehr zugute kommt! Andererseits bekommen sehr abgedroschene Titel durch ein anderes Tempo oder Arrangement etc manchmal eine interessante, neue Wendung, was ja (leider) auch in den aktuellen Charts gut zu verfolgen ist.

Nicht ganz unerheblich für die Programmauswahl ist die Bandbesetzung. Im Quartett Gesang - Gitarre - Bass - Drums wird man sicherlich dazu tendieren eher rockorientiertes Material gleicher Besetzung zu spielen, während eine große Besetzung mit gemischtem Gesangsduo - 2 Gitarren - Keyboards - Bass - Drums - Bläsern logischerweise viel mehr Optionen offen läßt. Bei der Masse an Coverbands, die sich auf dem Markt drängt, ist es daher auch ratsam sich nach den wenigen verbleibenden stilistischen oder konzeptionellen Lücken umzusehen, will man für Veranstalter und Agenturen interessant bleiben. Wie viele Bands gibt es wohl in Deutschland, die "Smoke on the water", "All right now" oder "Hold the line" im Programm haben? Gibt es nicht noch genügend andere gute Songs?

Unabhängig davon welche der o.g. Sparten man jetzt bedient, spielt man in den meisten Fällen für ein relativ junges Publikum (bis ca 40 J.) in Kneipen, auf Feten, Stadtfesten etc. Das bedeutet zum einen, daß der Veranstaltungsrahmen oft rockkonzertartigen Charakter hat. Man braucht also das passende Equipment. War für die normale Tanzmugge ein kleiner Comboamp durchaus ausreichend, braucht man z.B. für Coverbands im Rockbereich sicherlich ein etwas größeres Kaliber (größere Combos wie Vox AC30 oder Topteil mit 4x12" Box), auf jeden Fall aber mehr Flexibilität was Sounds und Effekte angeht. Je nach dem wie weit gestreut das Repertoire ist, kann es auch nötig sein, unterschiedliche Gitarren mitzunehmen (etwa für Open Tunings oder unterschiedliche Grundsounds). Strebt man hohe Originaltreue an, ist es manchmal auch leider nötig Originalequipment zu benutzen - "Purple Haze" mit ´ner 335 und ´nem Fender Twin trifft es leider nicht so ganz....

Ein Nachteil dieser Veranstaltungen ist, daß sie bei weitem nicht so gut bezahlt sind wie die in der letzten Folge angesprochenen Tanzmuggen. Kneipengigs mit 1200,- DM Garantiegage (= 300,- pro Nase bei einem Quartett, inkl. Steuer) sind heute leider schon die Ausnahme, Diskothekengigs mit 50,- DM (inkl. Steuer) pro Bandmitglied, egal aus welcher Gegend Deutschlands man kommt, oder Auftritte auf Eintrittsbasis leider immer öfter die Regel. Durchschnittlich ist man mit ca. 150,- DM pro Job dabei. Bedenkt man die Zeit, die noch für Proben und am Veranstaltungstag drauf geht, eine eher traurige Perspektive. Unter "Survival"-Aspekten gesehen, daher eine nicht so interessante Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, es sei denn man hat ein innovatives Konzept und VIELE Gigs, was bei der Masse an Coverbands wie gesagt sehr schwer ist. Um sich von der abzuheben, braucht man außerdem Plakate und sehr attraktives Infomaterial vorzugsweise inkl. CD, was auch wieder eine Stange Geld kostet....

Ich persönlich habe von den Coverbands, in denen ich gespielt habe, am meisten davon profitiert, Musik zu möglichst originalgetreu zu spielen, auch Musik, zu der ich eigentlich aus privatem Desinteresse sonst keinen Zugang gehabt hätte, beliebtes und beeindruckendes Material für meine Gitarrenschüler zu haben und Gigs zu spielen, bei denen es vergleichsweise einfach und eigentlich schon garantiert war, gut anzukommen. It´s your life - YOU decide!

In vier Wochen geht es dann um die glamouröse Welt der Galaszene.
Bis dahin, STAY TUNED und seid nett zu den Miezekatzen dieser Welt!

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