Survival Guitar
Folge 7
"Und heute das kleine Schwarze"
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Workshopserie des Soundcheck-Magazins-

Ihr kennt das Breckerfelder Junggesellenschützenfest und den Mitternachtsgig mit der Oldieband in der verauchten Kneipe - aber wie sieht es aus mit der glamourösen Welt der großen Galas?

Unter dem Begriff Gala werden gewöhnlich eine Reihe von größeren und mit hohem Finanzaufwand produzierten Veranstaltungen zusammengefaßt wie Produktpräsentationen, Firmenjubiläen und -feiern oder Mitarbeitermotivations-veranstaltungen größerer Firmen und Konzerne. Das in diesem Rahmen meist vorhandene Veranstaltungsbudget wirkt sich natürlich auch auf das Musikprogramm aus.
Die meisten Galas haben einen relativ ähnlichen Ablauf. Die Musik ist oft eingebunden in einen Rahmen, in dem sich Ansprachen, Showprogrammteile, Nahrungsaufnahme und ausgelassenenes Tanzen zu beschwingten Rhythmen abwechseln. In den meisten Fällen beginnt es mit zurückhaltender Eröffnungsmusik zur Begrüßung der Gäste, die oft fließend in Dinerbegleitmusik zur dezenten Maskierung von natürlicherweise auftretenden Essnebengeräuschen übergeht. Repertoiremäßig wird in dieser Situation gerne auf Jazzstandards und Evergreens oder auch seichte Popballaden zurückgegriffen. Insgesamt meist ungefähr zwei Stunden Spielzeit. Alles schön leise und unaufdringlich vorgetragen ohne große Animation des essenden Publikums. Hauptsache man hört das Besteckklappern des Tischnachbarn nicht so deutlich. In dieser Situation ist es also ganz hilfreich, ein Real oder Fake Book dabei zu haben, in dem sich die bekanntesten und beliebtesten Songs dieses Genres finden lassen, da manchmal - je nach Anlaß - auch schon mal Titelwünsche geäußert werden können. Außerdem schadet es natürlich auch nicht zumindestens grundlegende Kenntnis über das Spielen von Jazz Standards zu besitzen.

Nach dem Essen und zwischen eventuell anfallenden Ansprachen und Showblöcken steht das Aufspielen zum Tanz auf dem Programm. Je nach Zusammensetzung des Publikums und je nach Konzept der Band sind dann Standardtänze oder modernes Popmaterial oder eine strategisch clevere Mixtur gefragt. Hauptsache ist es klingt absolut amtlich (möglichst so, wie es die Leute von CDs und dem Radio gewohnt sind), ist professionell vorgetragen und wird zum Tanze animierend performt.

Manche Gala beinhaltet auch noch den Auftritt eines besonderen Show-Acts als Highlight des Abends. In vielen Fällen wird dieser dann auch noch von der Band begleitet. Dies bedeutet, daß man für alle Fälle ein sehr großes Repertoire auf der Tasche haben muß. In meinem Fall und meiner Band Sonic Bang! sieht dies konkret so aus, daß wir ein Dinerprogramm von etwas über 30 Titeln haben, ein Show- und Tanzprogramm von ca. 50 Songs und noch mal 30 Lieder der beiden Show-Acts, die wir regelmäßig begleiten. Insgesamt also gut 110 Songs. Die werden zwar nur selten wirklich alle benötigt - bei vielen Galas sitzt die Band auch einfach nur auf Abruf rum und wartet bis sie wieder benötigt wird -, aber man weiß ja nie. Parat haben muß man sie jedenfalls. Und natürlich auch die für dieses weite Spektrum an unterschiedlichen Musiktiteln nötigen Sounds.

Um der Soundvielfalt - und vor allem der elenden Gitarrenkoffer- und Verstärkerschlepperei - einigermaßen Herr zu werden, benutze ich persönlich seit einiger Zeit eine Höllenmaschine namens Roland VG - 8, die in der Lage ist, verschiedene Gitarrentypen wie Strat, Tele, Les Paul, Rickenbacker, verschiedene Semi- und Vollakustikgitarren, aber auch andere Saiteninstrumente wie Banjo, Mandoline, Sitar, Pedal Steel - auf Wunsch auch inklusive der passenden Stimmungen - zu simulieren. Obwohl das Gerät auch Effekte sowie Amp- & Speakersimulation auf Lager hat - und für mich völlig unverständlich eigentlich nicht die Beachtung gefunden hat, die es verdient -, sind es besonders diese reinen Instrumentensimulationen, die echt verblüffend klingen und die häufiges Gitarrewechseln z.B. in Livesituationen überflüssig machen. Natürlich diktieren einem die "echten" Gitarrentypen auch immer eine gewisse Spielweise auf und meine alte Strat aus den 60er Jahren hat schon einen besonderen Ton, aber allein aus den o.g. praktischen Gesichtspunkten, kann ich mit den wirklich brauchbaren Kompromissen des VG - 8 besonders in Livesituationen gut leben. Das VG-8 schicke ich dann durch ein GP-100, das mit der gleichen Technologie Amps und Effekte simuliert in eine Marshall 9100 Endstufe und von dort aus auf Lautsprecherboxen verschiedener Größe (je nach Hallen und Bühnengröße)

Will man in den Galabereich einsteigen - dies klappt nebenbei bemerkt übrigens am besten als Ersatzmann bei bestehenden Formationen - braucht man also eine hohe Flexibilität und Professionalität, sowie natürlich die passende und der Situation angemessene Garderobe. Dunkeler Anzug, helles Hemd und für "jüngere" Veranstaltungen eine etwas flippigere Ausstattung sind Pflicht. Generell läßt sich sagen, daß die Ansprüche in allen Bereichen sehr hoch sind. Dafür können sich die Gagen aber auch wirklich sehen lassen! Für eine normale Abendveranstaltung mit Stand-by Zeit von 20h - 1h fangen die Gagen bei ca. 700,- DM pro Nase an und liegen bei etablierten Formationen sehr deutlich über 1000,- DM pro Musiker pro Abend. Wenn man allerdings bedenkt, was für Ansprüche an die Band aber auch im Raum stehen - ganz zu schweigen vom erstklassigen Demomaterial inkl. CD und Video, was eine Galaband in jedem Fall haben MUSS - durchaus gerechtfertigt und in Hinblick, mit was für Geldern bei Veranstaltungen dieser Art umgegangen wird, ist die Musik eher noch der kleinste finanzielle Posten.

Diese Folge rundet meinen kurzen Ausflug in die theoretischen Aspekte der Unterhaltungsmusik ab. Ab der nächsten Folge wird es kurze Abstecher in alle für die Gitarre wichtigen Stilistiken geben mit den lebensnotwendisten Informationen und Fakten. Bis dahin - stay tuned!

Euer ergebenster Diener DonPedro

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