|
Survival Guitar
Folge 8 "DonPedro auf der Musikmesse - Fragen Sie bitte JETZT" -Workshopserie des Soundcheck-Magazins-
|
|
|
Hallo liebe Enthusiasten, entgegen des in der letzten Folge angekündigten Programms, will ich heute mal ein paar Fragen beantworten, die in den letzten Wochen und Monaten bzw. auf der Musikmesse bei mir eingetrudelt sind, worüber ich mich immer sehr freue und wofür ich mich an dieser Stelle sehr bedanken möchte. Frage 1: "DonPedro, welches Equipment benutzt Du eigentlich Live und im Studio?" Ich bin schon seit Jahren - zugegebenermaßen relativ erfolglos - in einer Therapie gegen Z.-E.-K.-S. (Zwanghaftes-Equipment-Kauf-Syndrom, ausgesprochen: SEX). Dementsprechend hat sich relativ viel Krempel bei mir angesammelt, den ich versuche bei jeder Produktion zumindest einmal einzusetzen. Bevor ich jetzt ins Detail gehe, noch eine kurze Vorbemerkung: Bei allen Firmennennungen handelt es sich NICHT um versteckte und gut finanzierte Werbeblöcke der betreffenden Firmen und etwaige Vor- bzw. Nachteile verschiedener Geräte entstammen ausschließlich meiner persönlichen Erfahrung oder Meinung und beanspruchen keinerlei Allgemeingültigkeit. Liveequipment: Momentan spiele ich live meistens über folgendes Zeug: Meine Hauptgitarre ist eine 66er Fender Stratocaster, sunburst und bis auf 2-3 kleine Federn und neue Bünde im Originalzustand, die ich in 95% aller Fälle spiele. Als Ersatz nehme ich eine 66er Fender Telecaster, die angeblich aus dem Status Quo-Fundus stammen soll, die keinen Lack mehr besitzt und deren Hardware, Pick-ups etc. ich auswechseln mußte, da das Originalzeug nicht mehr brauchbar war. Die Saiten meiner Wahl sind D«Addario 009-042, allerdings mit einer 015 G-Saite - wegen der besseren Balance. Als Picks nehme ich die roten Jim Dunlop Jazz II, da diese meiner Meinung nach beim Anschlag nur sehr sehr unauffällige Eigengeräusche produzieren. Für Akustikgitarre mit Stahlsaiten Jim Dunlop Nylon 0.38mm, da diese beim Schrammeln sehr sehr auffällige Geräusche produzieren. Danach geht es in mein Pedalboard mit folgenden Effekten der Reihenfolge nach: Ibanez WH-10 WhaWha - Boss CS1Compressor - 2 x Ibanez Tube Screamer - Ibanez Volumen Pedal - Boss AC-1 Acoustic Simulator - Jim Dunlop UV-1 Uni Vibe mit Pedal - ein altes Ibanez PDM1 Modualtion Delay. Je nachdem ob ich mono oder stereo spiele, sieht dann der weitere Signalweg folgendermaßen aus: Mono geht es in einen TC Electronics Chorus und dann entweder in einen Fender Blues DeVille 212 oder einen Vox AC-30. Bei größeren Anlässen geht aus dem Delay direkt in den Fender (der übrigens immer clean eingestellt bleibt). Aus dessen Pre-amp Out geht es in den TC-Chorus, von dort in ein Rocktron Intellifex. Dieses Gerät gibt ausschließlich reine Effektsignale (meistens getimte Ping-PongDelays, extrem selten Hall) auf eine Peavey Classic 60 Endstufe, an die 2 Carvin 212 Boxen angeschlossen sind. Aus den Carvin Boxen kommen also nur die (Stereo-)Effektsignale, während aus dem Fender mittig das direkte Signal kommt. Eine andere Variante - bei mir abhängig von Lust und Laune - wäre die in der letzten Folge schon kurz angesprochene Kombination Roland VG-8, GP-100 auf eine 2x50Watt Marshall Endstufe und dann auf die Lautsprecherboxen. Den GK-2 Pick Up fürs VG-8 habe ich dann entweder auf einer Music Man Eddie Van Halen oder einer Custom made Jackson Strat mit zwei Tom Anderson Humbuckern. Eine Bemerkung zwischendurch: Die obenstehende Auflistung sieht ziemlich üppig aus und was die Gitarren angeht, bin ich auch schon mal etwas wählerisch, da sie das erste Glied in der Kette sind. Aber genau betrachtet handelt es sich bei den meisten elektronischen Geräten um Teile der der unteren bis mittleren Preisklasse, was aber auch reine Absicht ist. Natürlich steht es jedem frei sich eine Gitarrenanlage zum Preis einer Mittelklasselimousine anzuschaffen. Aber bei allem Respekt finde ich Preise für ein Topteil oder einen Combo die weit jenseits der 5000,- Schallgrenze liegen (Soldano, Matchless, Bogner) wirklich überzogen. Ein guter Sound kostet keine 15.000,- DM (die man ja locker ausgeben könnte) sondern läßt sich auch mit preiswerten Geräten erlangen. Wenn man dann auch noch von leben muß oder will, rechnen sich solche Investitionen eher nicht. Und ehrlich gesagt, kommt es hart auf hart, kann ich auch ohne Probleme mit meiner Strat, einem WhaWha,einem Compressor und einem Tube Screamer und IRGENDEINEM Amp den ganzen Abend spielen, ohne daß ich weinen müßte! Studiomäßig unterscheide nach zwei Fällen: Produktionen, die ich bei mir zuhause mache (auch für andere Auftraggeber) und auswärtige Produktionen. Für Produktionen, die ich bei mir mache, benutze ich zum Aufnehmen fast ausschließlich das Roland GP-100, dessen Werkspresets man zwar fast gesammelt in die Tonne treten kann, dessen reine Ampsimulationen (Fender, Marshall, Boogie, Soldano etc) mit etwas Übung und Selbstbeherrschung (alle Effekte AUS!!) allerdings sehr gute Ergebnisse bringen können. Noch eine Bemerkung zu Direktaufnahmen mit Geräten wie dem GP-100 oder den vergleichbaren Modellen anderer Hersteller: Man sollte beim Arbeiten mit diesen Geräten auf gar keinen Fall dem akustischen Trugschluss erliegen, den einem die "echten" Geräte liefern. Das Klangbild und das Erleben des Sounds eines aufgedrehten Marshall Amps, der in 3 Meter Entfernung vor einem steht - die gewohnte Hörsituation - ist natürlich immer ganz anders als das, was einem "virtuell hergestellt" aus einer Abhöranlage entgegen kommt. Der Druck, der einem eben noch die Beinbehaarung durchgekämmt hat ist weg. Der wäre aber auch weg, wenn man den geliebten Amp konventionell abnehmen würde und auf Zimmerlautstärke durch Nahbereichmonitore abhört, wie sie in den meisten Home- und Projektstudios stehen. Ganz im Gegenteil sogar - im direkten Vergleich schneiden virtuelle Klangerzeuger oft sogar erkennbar besser ab, besonders in Situationen, in denen man Tontechnikern begegnet, die aus irgendwelchen Gründen mit dem Instrument Gitarre und deren Abnahme auf Kriegsfuß stehen. Außerdem bringen ein Fender Amp oder ein Vox AC-30 auch in natura kein Bassbrett, das einem der Hut wegfliegt. Daher ist es müßig sich darüber zu beschweren, wenn man durch einen virtuellen Fender Twin keinen Rammstein-Sound zustande bringt (die nebenbei auch starke Verfechter der Direktabnahme sind). An Gitarren versuche ich, wie oben schon angedeutet, bei jeder Produktion jedes meiner Instrumente mindestens einmal einzusetzen. Mein absoluter Favorit für Rhythmusgitarren ist meine Telecaster. Die hat meiner Meinung nach aufgenommen den meisten Charakter, was wahrscheinlich an den Single coils liegt. Für harte Rockrhythmusbretter nehme ich gerne die Music Man oder die Jackson. Für Soli nehme ich momentan entweder die Strat oder die Jackson, da diese einen Wilkinson Tremolo mit Arretiermechanismus hat (der leider nicht mehr gebaut wird) und gut in Stimmung bleibt. Bei Terminen in anderen Studios kommt es auf das Budget an, wieviel Zeug ich mitschleppe. Ganz kleines Budget: Tele, Strat, Jackson, Pedalboard, GP-100, bei Bedarf noch eine Washburn Westerngitarre. Mittleres Budget: zusätzlich noch das VG-8 und noch einen Amp (meistens den Fender). Großes Budget: zusätzlich ein paar Gitarren (z.B. Konzertgitarre, Gibson ES-335, Gibson Firebird), weitere Amps (die ich mir mitunter auch schon mal leihe, wenn was ganz spezielles gewünscht wird, was aber eher sehr selten vorkommt). Soviel zu diesem Bereich und zu den zahlreichen Fragen, die in diese Richtung gekommen sind. Beim nächsten Mal gibt es ein paar Antworten bezüglich GIT, Los Angeles und ähnlicher Institutionen. Weitere Themenwünsche an kontakt@donpedrofischer.de. Euer ergebenster Diener DonPedro. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|