Survival Guitar
Folge 9
"DonPedro auf der Musikmesse - Fragen Sie bitte JETZT! Teil 2"
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Workshopserie des Soundcheck-Magazins-

Nachdem wir in der letzten Ausgabe meine persönlichen Equipmentvorlieben erörtert haben, geht es diesmal um einen weiteren Dauerbrenner - Musikschulen.

Frage 2: "DonPedro, was hältst Du eigentlich von den ganzen Musikschulen wie GIT etc, von denen man immer umworben wird? Hat sich Dein Jahr am GIT für Dich gelohnt? Muß man auf einer Schule gewesen sein, um von der Musik leben zu können?"

Bevor ich ins Detail gehe, was die Beantwortung dieser Fragen angeht, einige Gedanken vorweg: ABSOLUT JEDE Musikschule ist nur so gut wie das, was man aus ihr und der Zeit, die man dort verbringt letztlich wirklich macht. Ich kenne die meisten Musikschulen, die sich heute um die Marktanteile streiten persönlich. Sei es, daß ich dort selbst Schüler war oder an ihnen Unterricht bzw. Workshops gegeben habe. Dementsprechend subjektiv sind natürlich auch meine Eindrücke, was diese Institutionen betrifft. Wenn nur irgendwie möglich, sollte sich jeder der Interesse daran hat, sich mal ein Jahr möglichst ausschließlich seinem Instrument zu widmen, die Mühe machen und die in Frage kommenden Einrichtungen persönlich besuchen. Auch wenn dies eventuell mit einigem Aufwand verbunden ist.

Die häufigsten Fragen kommen zum Thema GIT, Los Angeles. Ich bin dort ,wie vielleicht bekannt, 1989/1990 Student gewesen, also vor 10 Jahren. Mein letzter Aufenthalt dort in Form eines Workshops, den ich dort für die deutschsprachigen Schüler gab, ist auch schon wieder drei Jahre her. Seitdem befinden sich allerdings fast ununterbrochen Schüler von mir dort, so daß ich noch einen ganz guten Eindruck habe was dort abgeht.

Einige Dinge haben sich dort grundlegend verändert, wie zum Beispiel die Länge des Kurses. Früher war der reguläre GIT-Kurs ein Jahr lang, eingeteilt in vier Phasen á 10 Wochen, mit der Option Phasen hinten anzuhängen. Aufgrund der hohen Anzahl an eher schwachen Schülern, wurden dem regulären Kurs nun zwei Phasen vorangestellt, die die doch relativ hohen Defizite vieler Schüler ausgleichen sollen, bevor der eigentliche Kurs beginnt. Darüber hinaus besteht nun die Möglichkeit am MI (Musicians Institute, dem Gesamtnamen der Schule) verschiedene amerikanische akademische Grade zu erwerben, indem man weitere Phasen anhängt und gegenbenfalls noch musikfremde Kurse wie Englisch und Geschichte belegt. Es besteht auch die Möglichkeit das neue erste Halbjahr per Test zu überspringen. Der größte Unterschied, der sich durch die akademische Anerkennung des MI ergibt, sind jedoch die drastisch in die Höhe geschnellten Kursgebühren, die momentan bei ca. $ 13.000,- angekommen sein dürften, zzgl. nochmal $10.000, die man auf einem Devisenkonto oder als Bürgschaft nachweisen muß - sonst bekommt man kein Studentenvisum. Eine ganze Menge Geld!

Einmal am GIT angekommen, hat man dort eine Reihe Möglichkeiten seine Zeit zu verbringen. Es gibt das Core Curriculum (die Hauptfächer: Blattspiel, Harmonielehre, Technik, Akkordspiel, Gehörbildung), Electives (Stilistikwahlfächer wie Blues & Early Rock, Fusion, Country, Classical uvm) , Live Playing Workshops (quer Beet durch alle erdenklichen Stilistiken), die Dienste der Bücherei (Blattspiel- und Gehörbildungscomputer, Videos von im GIT stattgefunden und aufgezeichneten Seminaren und Konzerten etc) und natürlich die Open Counselings (Sprechstunden mit den unterrichtenden Lehrern zum Jammen und Fragenstellen), dem eigentlichen Highlight des GITs. Dazu kommt im ersten Halbjahr noch eine halbe Stunde Einzelunterricht. Eine ganze Reihe Möglichkeiten also und viele Rosinen, die man sich mit der nötigen Portion Eigeninitiative herauspicken kann und muß, da die Schule ausschließlich auf Selbstmotivation aufbaut (was ich persönlich sehr cool finde) und das vermittelte Wissen außer in den wirklich leicht zu schaffenden Tests eigentlich nicht abgefragt wird. Bringt man diese Eigeninitiative auf, kann eigentlich jeder Schüler unabhängig von Level und Stilistik in dem Jahr einen Quantensprung machen.

Einigen Gerüchten sollte man allerdings auf gar keinen Fall Glauben schenken:

1) Alle GIT-Absolventen klingen gleich

Den Tag an dem Paul Gilbert, Scott Henderson, Jennifer Batten, Frank Gambale oder um mal ein paar deutsche Absolventen ins Spiel zu bringen Markus Deml, Abi von Reininghaus, Joachim Vogel oder meine Wenigkeit gleich klingen möchte ich GERNE erleben.

2) Die im Katalog vorgestellten und massiv beworbenen prominenten Dozenten sind oft in der Schule.

Viele der "namhaften" Gitarristen, die mit dem GIT in Verbindung gebracht werden, sind nur mal ein paar Tage im Jahr für ein - ohnehin meist völlig überfülltes - Open Counseling oder ein Workshop/Konzert an der Schule. Kommt halt immer drauf an wie sich die Karriere gerade so entwickelt. Ich persönlich hatte ziemliches Glück. Scott Henderson, Jennifer Batten, Bruce Bouillet (Racer X) und einige andere waren sehr oft da und auch an Konzerten und Clinics wurde 89/90 einiges geboten (Michael Landau, Pat Metheny, John Scofield, Dan Huff , Carl Verheyen u.a.). Dafür waren andere "Lehrer" wie z.B. Paul Gilbert vielleicht 2-3 Tage da. Letztlich ist dieser Unterschied zwischen Werbung und Realität aber auch nicht sooo tragisch, da die meisten GIT-Dozenten doch auch ziemlich gute Player und Lehrer sind, von denen man sehr viel lernen kann.

3) Das GIT ist eine Rockschule bzw. Das GIT ist eine Jazzschule

Wie sagt man - Life is what you make it!

Für mich war das Jahr am GIT sehr hip. Obwohl ich nach L.A. freiwillig nicht noch mal für Geld ziehen würde, ist die Stadt als Musikmetropole schon eine Reise wert. Ich habe außerdem sehr viele Leute kennengelernt, extrem viel erlebt, tolle Konzerte gesehen, einen gänzlich anderen Bereich der westlichen Kultur kennengelernt und meinen schon vorher gefaßten Entschluß von der Gitarre leben zu wollen noch mehr gefestigt. Abgesehen davon war es für mich auch Sprungbrett in vielerlei Hinsicht (besonders durch die Vorstellung im Guitar Player und den Kontakt zum AIM in Wien, das es übrigens NICHT mehr gibt - für diejenigen, die das noch nicht wissen sollten) und ...ach ja: gelernt habe ich auch noch einiges. Hauptsächlich in Bereichen, an denen ich vorher eher wenig bis gar kein Interesse hatte. Obwohl man den berüchtigten "Schritt nach vorn" in den Jahren danach macht, wenn sich alles etwas setzt und man das reichliche Lehrmaterial etwas gesichtet hat.

Abschließend läßt sich zum GIT vielleicht sagen, daß der Schwerpunkt schon beim SPIELEN des Instrumentes liegt und an theoretischen Informationen eher instrumentenspezifische Dinge vermittelt werden. Dies ist auf den Punkt gebracht auch der Hauptunterschied zur ähnlich kostspieligen Berklee School of Music in Boston, die u.a. von Pat Metheny, John Scofield, Steve Vai, John Pertucci und von Deutschen wie Torsten DeWinkel und Wolfgang Muthspiel besucht wurde. Der Kurs dauert generell 2 Jahre und umfaßt mehr allgemeinmusikalische Aspekte wie Arrangement, Musikgeschichte etc und ist daher vielleicht theoretisch anspruchsvoller als GIT. Der Studienablauf ähnelt mehr dem Hochschulalltag in Deutschland oder dem der populären Jazzschulen in Holland.

Muß es denn unbedingt ein Auslandsstudium sein?

Wenn man das nötige Großgeld hat, mal ein Jahr aussteigen will und kann, lohnt es sich auf jeden Fall. Ich finde jedoch, daß der ganze Spaß in den letzten Jahren erkennbar zu teuer geworden ist. Die "kleine" Lösung des gleichen Bedürfnis könnte sein, eine der deutschen Musikschulen zu besuchen. Da die Beschaffung von Informationen hierzu wesentlich leichter sein dürfte als zum GIT, fasse ich mich diesbezüglich kürzer. An den meisten privaten Musikschulen lassen sich gute Lehrer finden, die Schulkonzepte sind stimmig und durchdacht. Oftmals sind die Dozenten auch GIT-Absolventen oder haben einen Hochschulabschluß. Und wie eingangs erwähnt, liegt es ja auch größtenteils an einem selbst, was man aus seinem Leben macht, nicht wahr? Der Unterschied liegt wahrscheinlich darin, daß man immer noch in den Alltag eingebunden bleibt mit all seinen Ablenkungen, positiver wie negativer Art. Aus der Auswahl an deutschen Schulen würde ich am ehesten die Future Music School in Aschaffenburg und die Jazz- und Rockschule in Freiburg in Erwägung ziehen.

Muß es denn überhaupt ein Studium oder eine Ausbildung sein ?

Um der wachsenden Verakademisierung der Rockmusik mal einen kleinen Schritt entgegen zu wirken: Nein! Mann braucht garantiert keinen akademischen Grad um in eine Band einzusteigen, gute Musik zu machen, populär oder gar erfolgreich zu sein. Andererseits - Wissen macht nix - oder so...... Die meisten privaten Musikschulen, die "Profiprogramme" anbieten sind auch recht kostspielig. Schon mal daran gedacht, ein paar tausend Mark in ausgesuchte Privatlehrer zu stecken und deren Gehirne 1-zu-1 anzuzapfen und dann zur Abwechselung mal enorm diszipliniert zu üben? Könnte auch eine Alternative sein, oder? But hey – it´s your life - YOU decide!!

In diesem Sinne...... Euer ergebenster Diener DonPedro.
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