Rock Guitar Basics
Folge 1
Ich, der Computermutant
oder "warum Grundlagen einfach echt wichtig sind"
-
Workshopserie des Gitarre & Bass-Magazins-


Hallo und herzlich Willkommen zu meiner neuen Workshopreihe "Rock Guitar Basics".
Na, wie geht´s denn so?

Im Zeitalter von Internet, Intranet, Extranett und Einkaufsnetz hat der Zahn der Zeit auch nicht vor mir Halt gemacht und so bin ich nun schon seit einigen Monaten Besitzer eines "richtigen" Computers, nachdem sich die durchaus gitarristenfreundliche Spezies "Atari ST...." doch nun so langsam aber sicher von der Oberfläche unseres Musikkosmos verabschiedet hat.
Wie gewohnt habe ich mir - wie ich es schon seit knapp zwei Jahrzehnten für die Gitarre tue - eine Fachzeitschrift gekauft, um mich nun doch noch etwas mehr mit der Sache zu beschäftigen - und - war mittelmäßig entsetzt. Ich blätterte durch die Seiten und verstand rein gar nichts. "Hmh" ... dachte ich mir so. "Vielleicht geht es ja Millionen aufstrebender Gitarristen ähnlich..." Zeit also mal eine Kolumne einzurichten, die sich um die absoluten Grundlagen kümmert. Und hier ist sie nun: Rock Guitar Basics.

Grundlegende Informationen zu dem Bereich Equipment kannst Du ja schon seit Ausgabe 3/97 in der Serie "look up" finden. In den kommenden Monaten wird sich daher in meiner Kolumne alles um´s reine Spielen unseres Lieblingsinstrumentes drehen.
In dieser Folge dreht sich alles um einen gitarristischen Dauerbrenner, der eigentlich auf jedem meiner Workshops Thema ist:

Die Haltung der rechten und linken Hand

Verschiedene Handhaltungen gibt es so viele, wie es Gitarristen auf diesem Planeten gibt. Da jeder Mensch eine individuelle Anatomie besitzt, scheue ich mich eigentlich etwas davor, Dir an dieser Stelle eine "amtliche" Handhaltung zu demonstrieren. Zumal grade im Rockgitarrenbereich einige sehr bekannte Gitarristen recht obskure und von der "klassischen" Handhaltung stark abweichende Handhaltungen mit großem Erfolg nutzen (z.B. Steve Morse, Van Halen, Gary Moore uvm.)
Die folgenden Fotos solltest Du deshalb als Anregung zum eigenen Experimentieren verstehen. Da sich diese Handhaltungen bei mir persönlich auch im Laufe der Jahre entwickelt haben, kannst Du davon ausgehen, daß sich auch bei Dir mit der Zeit einiges entwickeln bzw. verändern wird (auch wenn sich jetzt noch nicht so anfühlt).

Die linke Hand

Bei der linken Hand sind zwei Handhaltungen ziemlich üblich und nützlich. Zum einen ist dies die "klassische" Handhaltung, bei der sich der Daumen auf der Halsrückseite, ungefähr auf Höhe des Mittelfingers befindet, um etwas Gegendruck zu den greifenden Fingern auszuüben. Diese sollten möglichst parallel zu und nah an den Bünden liegen.
Wichtig ist dabei, daß sie beim Greifen leicht gebeugt sind, damit die Fingerkuppen einen sauberen Ton produzieren und nicht unabsichtlich benachbarte Saiten dämpfen.
Dies gelingt Dir am besten, wenn Du versuchst, die greifenden Finger möglichst senkrecht auf der Saite zu plazieren, um diese auf den Bund zu drücken.
Besonders gut eignet sich die Position für Barréakkorde, schnelle Läufe und Überstreckungen der linken Hand.
Diese Handhaltung ist im Rock und Blues jedoch nicht so verbreitet wie die folgende:
Hier greift der Daumen um den Hals herum und übt seinen Gegendruck eher von oben aus. Verglichen mit der "klassischen" Handhaltung, bekommt die Greifhand dadurch etwas mehr Kraft. Die kann besonders beim Akkordspiel oder Saitenziehen von Nutzen sein. Allerdings solltest Du bei dieser Handhaltung besonders auf zwei Dinge achten:
1) die greifenden Finger genügend zu beugen.
2) daß Dein Handballen nicht den Gitarrenhals berührt.

Die meisten E-Gitarren sind mit deutlich dünneren Saiten bespannt als Akustikgitarren und haben eine flachere Saitenlage und höhere Bünde. Deshalb solltest Du beim Spielen darauf achten nicht zu fest zu greifen. Dadurch drückst Du die Gitarre "aus der Stimmung" heraus, was sich ziemlich mies anhört.
Ähnlich schreckliche Klangergebnisse tauchen auf, wenn Du beim Greifen die Saiten ungewollt etwas aus ihrer Position ziehst. Meistens liegt dies auch an zu viel Druck beim Greifen.

Die rechte Hand

Obwohl man natürlich auch die Finger der rechten Hand dazu benutzen kann, werden die Saiten bei der E-Gitarre meistens mit einem Spielplättchen (engl. Pick), auch Plektron oder Plektrum genannt, angeschlagen. Hier gibt es ebenfalls eine enorme Palette an Variationen, die sich auf den entstehenden Klang auswirken - wer experimentiert, wird entdecken.
Gerade bei der Anschlagshand lassen sich viele unterschiedlich Handhaltungen ausmachen. Bei mir hat sich folgende Position etabliert:
Ich halte mein ziemlich hartes Jim-Dunlop-Jazz-II-Pick relativ locker zwischen Daumen und Zeigefinger. Meine rechte Hand ist leicht geöffnet und die Anschläge kommen meistens aus dem Handgelenk. Um meiner Anschlagshand einen Ruhepunkt zu geben, stütze ich meinen Unterarm auf ca. halber Länge auf der Korpuskante ab.
Oft kommt bei der rechten Hand noch zusätzlich die Frage auf, ob man das Pick parallel zur Saite halten oder doch vielleicht etwas anwickeln soll. Letztere Variante erleichtert mit Sicherheit das Spielen schneller Läufe und Licks. Ich bilde mir jedoch ein, daß der Ton voller wird, wenn man parallel zu Saite anschlägt.

Da ich es bis jetzt noch nicht hingekriegt habe, wirklich fließend mit dem Pick und den Fingern der rechten Hand gleichzeitig zu spielen (z.B. bei Country-Licks), verstecke ich mein Pick schon mal öfter in der rechten Hand. Dies gibt mir außerdem die Möglichkeit die unterschiedlichen Klangfarben zu nutzen, die entstehen, wenn man die Saiten mit den Fingern anschlägt (la Jeff Beck).

So, mit diesen Tips übergebe ich Dich nun an die anderen Workshops. Versuch beim Spielen mal Deine Hände genau zu beobachten oder noch besser, besorge Dir einen großen Spiegel, vor dem Du dann übst. Das erheitert nicht nur das Gemüt, sondern gibt Dir außerdem noch eine bessere Perspektive auf Deine Hände.

Für Anregungen, Fragen, Kommentare und Feedback jeglicher Art bin ich immer sehr dankbar. Hier ist meine e-mail-Adresse: kontakt@donpedrofischer.de

[nach oben]

Folge 1
Folge 2
Folge 3


kontakt@donpedrofischer.de
© 2001