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Rock Guitar Basics
Folge 3 Workshop - Evergreens die 2te -oder SCALES SUCK !! (hä, hä, hä) -Workshopserie des Gitarre & Bass-Magazins-
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Neben den in den letzten beiden Folgen behandelten Themen Handhaltung und Technik, dreht sich das Interesse der meisten meiner Workshopteilnehmer um das Thema "Improvisation". Improvisation ist ein sehr vielschichtiges Thema, das sich aus vielen Perspektiven angehen und untersuchen läßt. Besonders der große Bereich Tonleitern scheint jedoch einerseits viele Leute zu interessieren, aber auch für genügend Verwirrung zu sorgen. Meist wird der tonale Aspekt der Improvisation über das weit verbreitete "Akkord - Skalen" Konzept angegangen. Dabei wird einem Akkordtyp (z.B. Dur, Moll, Dominant usw) ein oder mehrere mögliche Tonleitern zugeordnet, die dann im bestimmten Bedarfsfall anzuwenden sind. Die Problematik dieses Konzeptes ist voraussehbar: wann, in welcher Situation kommt welche Tonleiter zum Zuge? Ehrlich gesagt, habe ich in den letzten Jahren versucht mich von dieser "traditionellen" Akkord - Skalentheorie, wie sie z.B. im Jazz oft angewendet, wird etwas zu lösen. Sie hat sicherlich einige sehr gute Aspekte - besonders zur raschen Analyse von Soli ist sie sehr sinnvoll. Für das eigene Improvisieren, halte ich persönlich sie jedoch für zweifelhaft, denn sie macht das Improvisieren schwerer als es eigentlich ist. Hier ist mein persönliches Improvisationskonzept: Es hat sich eigentlich aus Frust über die anhaltenden Rügen meines damaligen Jazzlehrers am GIT Carl Schroeder entwickelt, der über bestimmte Akkorde bestimmte Tonleitern hören wollte. Eigentlich ging es ihm aber nicht um die ganze Tonleiter, sondern meistens nur um 1 -2 "Farbtöne", die er nun mal unbedingt hören wollte. Die Frage, die sich nun bei mir aufwarf war folgende: warum eine komplette Tonleiter lernen, mit der man für gewöhnlich erst mal musikalisch nicht viel anfangen kann - neue Fingersätze etc - , wenn es eigentlich nur um bestimmte Farbtöne geht? Einige weitere Gedanken dazu: In unserem temperierten Tonsystem stehen uns zwölf Töne zur Verfügung (chromatische Tonleiter). Skalen sind immer nur eine Einteilung und Auswahl von 5 - 8 Tönen aus dieser "Tönequelle". Dies hat automatisch den Nebeneffekt, daß man einige Töne (je nach Tonleiter 4 - 7) nicht spielt - weil sie ja nicht in der Tonleiter enthalten sind - , die aber unter Umständen doch sehr hip klingen könnten. Bedeutet dies dann etwa , daß man über jeden Akkord einfach immer nur die chromatische Tonleiter dudeln soll? Ja und nein! Genauer gesagt zwar letztenendes die 12 zur Verfügung stehenden Töne, aber nicht die chromatische Tonleiter, da dies mit Sicherheit nicht hip klingt! VERWIRRT? Hier ist die Lösung: (als Grundlage/Hintergrund dient ein beliebiger Am7 Groove) Die allermeisten Gitarristen benutzen auf ihren ersten Improvisationsausflügen folgende Tonleiter: die gute alte Moll-Pentatonik (in diesem Fall in der auch sehr beliebten Tonart A- Moll). Dies ist auch durchaus legitim, da dieser Fingersatz Vater unzähliger authentisch klingender Licks und Phrasen ist. Sie enthält die Töne A - C - D - E - G. Wird dies zu langweilig, kann man sich ja mal den Spaß machen und diese Tonleiter über das gesamte Griffbrett verteilen. Früher habe ich die folgende Darstellungsweise wirklich gehaßt. Die Unterteilung in die vertrauten 5 Fingersätze, wie man sie in den meisten Gitarrenlehrbücher findet, war für mich sehr viel vertrauter und bequemer. Auf der Suche nach etwas unkonventionelleren Pentatoniklicks für mein Unterrichtsvideo "Modern Rock Concepts", habe ich aber die Zusammenfassung dieser 5 Positionen auf einem Griffbrett jedoch zu schätzen gelernt, weil man durch sie eher auf ungewohnte "optische Griffbrettmuster/Fingersätze/Pattern" stößt, die man als Gitarrist ja sooo schnell lieb gewinnt. Bis zu diesem Punkt ist ja alles so denke ich noch gut nachvollziehbar. Man findet sich mehr oder weniger zurecht, die Fingersätze und das Phrasing liegen gut in der Hand und man spielt die guten, alten und vertrauten Pentatoniklicks, die jeder kennt und mag, evtl. auch mal einen etwas unkonventioneller, intervallischen Lick. Jetzt kommt das, was die meisten meiner Schüler erstmal stutzen läßt: Anstatt nun einen Haufen neuer Tonleiter dazuzunehmen, werden zu den bequemen und gewohnten Fingersätzen der Pentatonik nun der Reihe nach alle noch fehlenden 7 Töne hinzugefügt. Jedoch nicht einfach wahllos, sondern mit Konzept. Ich nenne sie jetzt hier mal "Farbtöne", da jeder von eine sehr charakteristische Klangfarbe besitzt. Sie sind in den Griffbrettern als Kreuze gekennzeichnet. Die erste Note meiner Wahl ist die "blue note", die verminderte Quinte, in unserer Beispieltonart der Ton Es. Er nimmt der Pentatonik ihre Glätte und gibt deinen Linien den "bluesigen" Touch. Versuche nun Licks und Phrasen zu sammeln, die aus der Pentatonik und der "blue note" bestehen oder suche dir "improvisatorische Vehikel" wie Arpeggios, die die verminderte Quinte enthalten (z.B. Am7b5 oder D7b9 Arp). Die nächste Note ist die None - in A-Moll der Ton H. Sie klingt gänzlich anders als die verminderte Quinte Es. Ich würde ihren Klang als "melancholisch" oder "öffnend" beschreiben. Was nun kommt liegt nahe: Wieder Licks, Phrasen, "improvisatorische Vehikel" sammeln, die den Ton H enthalten. Einige meiner Favoriten sind Cmaj7 Arp und der G-Durdreiklang. Die nächste Note ist die große Sexte Fis. Ihren Klang würde ich vielleicht eher als "funky" beschreiben. Sehr gut klingt, wenn Du den Ton Fis als Bestandteil eines D-Durdreiklanges oder eines Gmaj7 Arpeggios über einen Am7 spielst. Diese 8 Töne (von 12 möglichen) bilden übrigens den Großteil des Tonmaterials, das Gitarristen wie Carlos Santana oder Paul Gilbert benutzen. Verfahre mit den noch fehlenden 4 Tönen ( F - Gis - Bb - Cis) auf die gleiche Weise. Jeder dieser Töne hat eine ganz spezifische, eigene Klangfarbe. So manches wird etwas gewöhnungsbedürftig klingen. Wenn Du mit ihnen umgehen kannst, teste dieses Konzept auch über andere Akkordtypen, danach über Akkordfolgen und natürlich auch in anderen Tonarten. Neugierig wie ich bin, interessieren mich eure Erfahrungen - nein keine Sorgen, nur die gitarristischen! Über weiterhin so viel Feedback per e-mail wie bisher würde ich mich sehr freuen! Hier nochmal meine Adresse: kontakt@donpedrofischer.de Stay tuned bis demnächst ..... P.F. |
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